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Heinrich-Emanuel-Merck-Schule Darmstadt

Lernortkooperation mit Ausbildungsbetrieben

  • Ausbilder-Lehrer-Arbeitskreis »Industrielle Elektro-Berufe«

    Dieser Arbeitskreis ist die älteste Lernortkooperation der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule. Sie geht zurück auf eine gegen Ende der 80er Jahre gestartete Initiative von Berufsschullehrern der HEMS und be­trieb­lichen Ausbildern aus den in der Region Darmstadt angesiedelten Industriebetrieben mit Elektro-Ausbildung. Vereinbart wurden seinerzeit regelmäßige Zusammenkünfte, um Fragen und Probleme der Ausbildung und der Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufsschule zu erörtern. Auf dem Hintergrund eines deutlichen Abbaus von Ausbildungsstellen bei den industriellen Elektro-Berufen ab Mitte der 80er Jahre war die damalige Reform der elektrotechnischen Ausbildungsberufe und die damit ver­bundenen Änderungen der Rahmenlehrpläne und Aus­bil­dungs­ord­nungen zugleich Auslöser und thematischer Bezugspunkt des Ar­beits­kreises.

    Aufgrund vergleichsweise günstiger Kooperationsbedingungen (in der Regel etwa 10 Industriebetriebe und die TUD) war es schon damals mög­lich, Absprachen etwa über die Organisation des Berufs­schul­unterrichts oder themenbezogene Schwerpunktsetzungen und deren Zu­ord­nung zur betrieblichen oder schulischen Ausbildung weit­gehend pro­blem­los in die Praxis umzusetzen.

    In dem Schulprogramm der HEMS von 2002 wurde das Konzept dieser Zusammenarbeit präzisiert. Danach zielt die Zusammenarbeit auf eine Opti­mierung der betrieblichen und schulischen Ausbildung im dualen Sys­tem. Folgende Schwerpunkte werden hierbei kontinuierlich thematisiert:

    • Information: Austausch von Informationen über betriebliche Ausbildungspläne und schulische Rahmenlehrpläne, Prüfungsanforderungen, personale Entwicklung von Auszubildenden, Weiterbildungsmöglichkeiten, Lehrmittel usw.
    • Koordinierung: Abstimmung der sachlichen und zeitlichen Gliederung der Ausbildung in der HEMS und in den Betrieben usw.
    • Kooperation: Gemeinsam von Ausbildern und Lehrern entwickelte Konzepte für projektbezogene Ausbildungsvorhaben wechselseitig an den Lernorten Betrieb und Berufsschule realisieren.

  • Mit der Einführung neuer Aus­bil­dungs­curricula im Zuge der 2003 begonnenen abermaligen Neu­ord­nung der Elektro-Berufe konzentrierte sich diese Lernortkooperation in den letzten Jahren zunehmend auf die gemeinsame Gestaltung von Unterrichts- bzw. Aus­bil­dungs­projekten.

    Damit konnte nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Berufschule und Ausbildern auf eine neue Basis gestellt werden. Intensiviert werden konnte zugleich auch die ausbildungsbezogene Lernortkooperation zwischen den beteiligten Ausbildungsbetrieben, ein in der Tat beachtenswerter Sach­ver­halt, wenn man bedenkt, dass die Betriebe in ihrer marktwirtschaftlichen Bezügen durchaus auch Konkurrenten sein können und dies freilich insbesondere auf dem Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Deckung des branchenspezifischen Fachkräftebedarfs.

    Seit der Neuordnung steht nicht mehr die Vermittlung von Einzelfertigkeiten im Mittelpunkt, sondern die Entwicklung von Kompetenzen, die für die Bearbeitung von Kundenaufträgen erforderlich sind. Eine solche, an den beruflichen Arbeits- und betrieblichen Geschäftsprozessen orientierte Ausbildung gelingt umso besser, je intensiver Schulen und Betriebe miteinander kooperieren. Seit 2005 werden regelmäßig Projekte mit praxisnahen Lernsituationen, die an der HEMS in enger Kooperation mit ihren betrieblichen Partnern entwickelt worden sind, von den Auszubildenden der Berufe „Elektroniker für Betriebstechnik“ und „Elektroniker für Geräte und Systeme“ durchgeführt.

    Auch die Organisation der Zusammenarbeit wurde den aus der Neuordnung resultierenden Erfordernissen angepasst. Für jede der Fachklassen für industrielle Elektroberufe gibt es nun eine Arbeitsgruppe »Ausbilder und Lehrer«. Diese Teams, die als Kooperationsgruppen bezeichnet werden, arbeiten über den gesamten Ausbildungszeitraum zusammen, tauschen Informationen aus, koordinieren das Vorgehen und setzen gemeinsame Ausbildungsvorhaben um. Ziel ist es, durch eine intensivierte Zusammenarbeit die Qualität der Ausbildung zu steigern und die Lernsituationen nah an der betrieblichen Praxis auszurichten.

    Die Lernsituationen werden mit zunehmendem Ausbildungsjahr komplexer. Das Unterrichtskonzept ist nach dem Prinzip „Vom Anfänger zum Experten“ (Rauner) aufgebaut: Aufgabenorientierung im 1. Ausbil­dungsjahr, Auftragsorientierung im 2. Jahr und Projektorientierung am Ende der Ausbildung. In dem Maße, wie die Sachkenntnis und Selbstständigkeit der Auszubildenden steigen, werden die Vorgaben und Impulse der Lehrer nachlassen und die Lern- und Arbeitsprozesse von den Auszubildenden zunehmend eigenständig organisiert und gestaltet.

    Die Lernsituationen werden von Ausbildern und Lehrern gemeinsam in den Kooperationsgruppen entwickelt. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Auszubildenden an der Gestaltung der Lern- und Arbeitsprozesse mitwirken können. Bei der Umsetzung der Ausbildungsprojekte wird die Aufgabenstellung seitens der Schüler in Teams bearbeitet. Auf diese Weise können die Schüler nicht nur die entsprechenden fachlichen Fertigkeiten, sondern auch die nötigen Sozial- und Lernkompetenzen erwerben. Um der unter­schiedlichen Leistungsstärke der einzelnen Auszubildendengruppen gerecht zu werden, wird der Pflichtteil des Kundenauftrags um einen Erweiterungsauftrag ergänzt.


  • IT-Forum und LiMeS-Kooperation mit der Friedrich-List-Schule

  • Mit der Einführung der IT-Berufe im Jahre 1997 bot sich erstmals im Berufsschulzentrum die Chance, eine aus­bildungs­bezogene Zusam­men­arbeit zwischen zwei Berufschulen mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten zu realisieren. Die Friedrich-List-Schule mit ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt brachte in das LiMeS-Projekt die für die IT-Ausbildung notwendigen kaufmännischen Kompetenzen ein, währenddessen die Heinrich-Emanuel-Merck-Schule mit ihrem elektro- und informationstechnischen Schwerpunkten die technologiespezifischen Kompetenzen abdeckte.

    Neben dieser rein schulischen Lernortkooperation entwickelt sich im Zusammenhang der Einführung der neuen IT-Berufe auch die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieben im Rahmen des sog. »IT-Forums«. Diese Lernortkooperation wurde unterstützt durch den Modellversuch LEO.

  • Dialogforum »Lernortkooperation im Elektro-Handwerk«

  • Mit der Neuordnung der Elektro-Berufe 2003 sind bezüglich der Kooperation zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieben neue Erfordernisse entstanden. Auf diesem Hintergrund entwickelte sich das 2004 auf Initiative von Lehrern der HEMS und des Vorstandes der Elektro-Innung Darmstadt eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Ausbildungsbetrieben, vertreten durch den Innungsvorstand und einzelner Meister von Ausbildungsbetrieben, dem BTZ als der zuständigen überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung und den Berufsschulehrern in den Handwerksklassen der HEMS im Rahmen des sog. »Dialogforums zur Weiterentwicklung der Lernortkooperation im Elektro-Handwerk«.

    Anlass und erster thematischer Schwerpunkt war die erstmals als gestreckte Abschlussprüfung zu realisierende neue Form der Gesellenprüfung. Im Vorfeld der ersten Prüfung wurden halbjährige Zusammenkünfte und gemeinsame Maßnahmen zur Optimierung der Vorbereitung auf die beiden Teile der neuen Abschlussprüfung vereinbart. Erörtert wurden darüber hinaus fragen der Gestaltung der alltäglichen Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Betrieb wie beispielsweise die Regelung der gegenseitigen Benachrichtigung über Fehlzeiten oder die Information der Betriebe über Berufsschulleistungen auch zwischen den Zeugnissen. Eine eingehende Analyse jeweils aktueller Prüfungsergebnisse unter Einbeziehung des sog. »strategischen Zieles 4« des hessischen Kultusministeriums bildete einen weiteren Diskussionsschwerpunkt in dem Dialogforum »Lernort­kooperation im Elektro-Handwerk«.

    Gegenwärtig konzentriert sich der Dialog auf eine Abstimmung der überbetrieblichen Ausbildungslehrgänge im BTZ und der in Berufsschule zu behandelnden Lernfelder. Darüber hinaus wird die Frage diskutiert, inwieweit auch im Elektro-Handwerk gemeinsam von den Vertretern aus den Betrieben, dem BTZ und der Berufschule partnerschaftlich Ausbildungsprojekte gestaltet werden könnten.